bisherige Publikationen (Auswahl)

AUS AKTUELLEM ANLASS



Die Genesenen

Sie stolpern
– wie ich es voraussah –
durch verwehte Straßen,
das Stroh der
ausgebliebenen Ernte
taumelt über den Asphalt.

Die Krankenmarken tragen
sie noch am Arm,
blass und bleich
wie Alabaster
umhüllt von diesem
grässlichen Grün der
Heilungsuniform.

Manche halten sich die
Hände, ganz so dürr
sind sie doch nicht, doch
gingen sie gemeinsam
durch die Hölle einer
Wahrheitsinterpretation.

Es sind die Genesenen.
Von ihnen spricht
die Statistik mit
vorgehaltener Hand,
wenn da nicht schon ein
Mundschutz wäre.

Es sind die Genesenen.
Sie haben’s hinter sich, sie
atmen wieder frische Luft,
wie jenseits.

Sie brauchen keine
Zeitung mehr und
verhöhnen still
unser Gebaren.
sie sind die die,
die wir einst waren.

Heimgekehrt von einer Schlacht,
bis zur Hospitalstür
noch begleitet,
entgegnen sie die Blicke jener, die
noch kämpfen,
mit verklärter Miene.

Nicht aufzufallen,
sagte man, sei nun
die große Pflicht.

Man ließ sie wieder frei
aus Gottvertrauen
ins Staatstragende,
was immer das auch heißen mag,
die andern seien sonst abgelenkt.

Es sind die Genesenen,
das Sahnehäubchen
auf der Kurve, die,
stets flacher sich
gebärdend,
die Spannkraft zu
verlieren droht.

Es sind die Genesenen, die,
so sagt man,,
nun nicht mehr zu
fürchten hätten als die
Irrelevanz, in ihnen
findet sich kein
Vorher und kein Nachher.

Sie hören keine
Podcasts mehr und
lachen still im Wind
Sie waren die,
die wir jetzt sind.

Sie versenkten ihre
Telefone geflissentlich
im Müll, wo sie nun
unverortbar sind, eine
wichtige Erkenntnis
für den Staat verschleiernd.
Er wüsste nur zu gern,
wo – und ob! – sich
ihr Genesen wohl vermehrt.

Und eh’ der Pöbel seine
Prügel schwingt, um die zu
zeihen, derentwegen man
gelitten,
entbehrt,
gestritten,
geglaubt und mitgetragen –
schließen sie sich
ein inmitten.
Und genießen still das Licht.

Es sind die Genesenen,
in den Parks und
auf den Straßen,
reißen Kleider sich vom
Leib und feiern
schweißgebadet,
engumschlungen
die menschliche Bedingung.

Es sind die Genesenen,
lecken sich die Körper wund
und atmen,
atmen ihr gemeinsames Aerosol,
sie haben überlebt,
sie haben überwunden.
Und sind in anderen Sphären.
Sie sind die, die wir so gerne wären.

Theaterstück

Helmut Schmidt muss umdenken

– ein Kurztheaterstück –

Die EU beschließt das Verbot der Zigaretten mit Mentholgeschmack. Wann, das weiß man noch nicht genau, aber wenn das alle in Brüssel wollen, geht es mitunter ziemlich schnell.
H. Schmidt, der geräucherte Altkanzler, sitzt nach der Wahlniederlage seines Protegés P. Steinbrück in seinem Wohnzimmer am Schachtisch und unterhält sich mit seiner verstorbenen Ehefrau Loki.

Er: du bist dran.

Sie [zieht mit ihrem Läufer]: hast du gehört? Die EU will nun auch die Mentholzigaretten verbieten. Da mußt du umdenken. Dann musst du aufhören zu rauchen.

Er [starrt auf den letzten Zug am Schachbrett]: Nee. [Pause] Ich werde vorsorgen.

Sie: willst du so viele Mentholzigaretten kaufen, dass es bis zu deinem Tod reicht?

Er: Genau.

Sie: Aber das kann sehr bald sein. Vielleicht kaufst du dir dann zu viele?

Er: Hm.

Sie: Außerdem weißt du ja gar nicht, wann das Verbot in Kraft tritt.

Er: Wenn das alle in Brüssel wollen, geht's mitunter sehr schnell.

Sie: Ich finde das interessant. Du bist über 90 und weißt nicht, wie lange du noch lebst und willst vorsorgen…

Er [unterbricht sie]: Du bist ja schon tot. Mach dir mal keine Gedanken.
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Cartoons

Cartoon Adam und Eva
Cartoon letzte Abendmahl
Cartoon Europarat